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#037: Kleine, stille Wunder

Seit Isabella ihre Pilgerreisen in Süd-Frankreich anbietet, darf ich sie unterstützend begleiten und hautnah miterleben, welche kleinen und großen Wunder Gott auf diesen Wegen immer wieder für uns bereithält. Eines dieser Geschehnisse, das mich sehr berührt hat, ereignete sich auf dem Massif de la Sainte-Baume, auf dem uns bereits viele solcher Erfahrungen beschert wurden.
 
Wir waren zu dritt unterwegs und machten uns auf den Weg nach oben. Während des Aufstiegs fiel uns ein kleiner Junge auf, vielleicht 8 oder 9 Jahre alt, der mit seinen Eltern ebenfalls unterwegs war zu dem Hoch-Plateau, auf dem sich eine kleine Kapelle zu Ehren von Maria Magdalena befindet.
 
Dieser kleine Franzose schien sehr selbstbewusst und klar, wie man aus den Gesprächsfetzen mit seinen Eltern, die wir mitbekamen, entnehmen konnte und aus der Art, wie er sich auf dem Plateau, völlig frei und unabhängig, bewegte.
 
Kurz bevor wir die Kapelle erreichten, nahm Isabella, die an der Spitze unserer kleinen Gruppe ging, einen Gesang wahr und trieb uns zur Eile an. – Wir freuen uns jedes Mal sehr, wenn wir Menschen dort oben treffen, die an diesem besonderen Ort durch ihren Gesang Gott ehren und beeilten uns, um noch ein wenig davon aus nächster Nähe zu hören. Im Näherkommen konnten wir eine sehr kraftvolle männliche Stimme erkennen, die in französischer Sprache zu Ehren von Maria Magdalena und Jesus sang.
 
Der Sänger schien allein in der Kapelle zu sein. Wir blieben außerhalb, um seine Andacht nicht zu stören und genossen die Hingabe und die Liebe, die in seinem Gesang fühlbar waren.
 
Ich stand dem Eingang am nächsten und als ich hörte, wie sich der Mann in der Kapelle wieder zu bewegen begann, ging ich langsam auf den Eingang zu, schaute ihn an, legte meine Hände auf mein Herz und sagte: „Merci“. Meinen Dank quittierte er lächelnd mit einer Geste, die nach oben wies und den Worten: „Merci Jesus.“ Dann trat er einen Schritt zurück, um den Eingang für mich frei zu machen.
 
Ich betrat den Heiligen Raum und nach ein paar Sekunden fragte ich ihn, ob er noch einmal für uns singen würde und ich seinen Gesang für unser Pilger-Video aufnehmen dürfe. Er stimmte zu, wartete sehr achtsam, bis ich zur Aufnahme bereit war, wandte sich dann wieder der Statue der Maria Magdalena zu und den beiden Engeln zu ihrer linken und rechten Seite und begann, ein bekanntes französisches Pilgerlied zu ihren Ehren zu singen. Voller Hingabe bewegte er sich, während er sang, mal auf seine Knie und dann wieder auf die Füße und war selbst ganz in sein gesungenes Gebet versunken.
 
Nachdem er geendet hatte, trat er von der Gittertür, die die Statuen schützt, zurück und quittierte meinen leisen Dank wieder mit einer Geste, die nach oben wies. Dann fragte er nach meinem Namen und ob er für mich und meine Begleiterinnen beten dürfe. Ich bejahte und er begann, noch einmal zu singen. Diesmal schien es ein improvisiertes Gebet zu sein, in das er meinen Namen und meine Begleiterinnen mit einwob und in dem er darum bat, dass Maria-Magdalena uns stets begleiten und Yeshua uns die Freuden Gottes zeigen möge.
Kurz bevor sein Gesang endete, betrat der kleine Junge, dem wir schon vorher begegnet waren, alleine die Kapelle und setzte sich mir still gegenüber. Andächtig hatte er die Hände zusammengelegt und lauschte mit geschlossenen Augen. Nachdem der Gesang geendet hatte, verließ ich die Kapelle leise, um den beiden ihre eigene Begegnung zu ermöglichen und konnte im Weggehen noch hören, wie der Junge dem Sänger sagte, er habe eine sehr schöne Stimme. Innerlich leicht schmunzelnd wartete ich auf die Antwort des Mannes, die auf Jesus hinwies, doch sie blieb aus. Von diesem unschuldigen, kleinen Wesen konnte er die Worte einfach annehmen.
 
Hier waren wir Zeuginnen eines kleinen, stillen Wunders geworden. Nicht eines, das laut nach Aufmerksamkeit ruft, sondern eines, das Herzen berührt. Gott zeigte uns, dass Seine Gegenwart dort aufleuchtet, wo Hingabe und kindliche Unschuld sich begegnen.

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